,,Oh du Fröhliche?“ Belastungen in der Weihnachtszeit
- Theresa Spörk
- 17. Dez.
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 18. Dez.
Weihnachten gilt als Zeit der Familie, der Freude und der Gemeinschaft. In der Adventszeit begegnen uns überall Bilder vom „perfekten Fest“: fröhliche Familien, festliche Stimmung und harmonisches Beisammensein. Diese idealisierten Vorstellungen können jedoch schnell das Gefühl erzeugen, glücklich sein zu müssen – selbst dann, wenn die eigene Lebenssituation ganz anders aussieht.

Der Unterschied zwischen diesen äußeren Erwartungen und dem eigenen Erleben kann sehr belasten. Gefühle wie innerer Druck, Traurigkeit oder das Empfinden, „nicht dazuzugehören“, sind daher besonders in dieser Zeit keine Seltenheit. Solche emotionalen Belastungen wirken sich auch auf die Gesundheit aus: Sie erhöhen Stress, beeinträchtigen Schlaf und Stimmung und können das Immunsystem schwächen. Für Menschen, die ohnehin mit körperlichen oder psychischen Beschwerden zu tun haben, können die Feiertage dadurch noch herausfordernder werden.
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Was die Feiertage erschweren kann
Bestimmte Lebensumstände oder Erfahrungen können dazu beitragen, dass diese Zeit besonders schwerfällt. Oft ist es nicht ein einzelner Grund, sondern das Zusammenspiel mehrerer Belastungen. Dies kann zum Beispiel sein:
Einsamkeit oder fehlende unterstützende Beziehungen
Konflikte innerhalb der Familie oder im Freundeskreis
Finanzielle Belastungen
Kürzlich erlebte Verluste, Trennungen oder Kontaktabbrüche
Berufliche Sorgen
Gesundheitliche Probleme
Psychische Vorerkrankungen
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Was gut tun kann
Auch wenn sich nicht alles verändern lässt, gibt es kleine Schritte, die entlasten können. Es geht nicht darum, „das Beste daraus zu machen“, sondern gut für sich selbst zu sorgen. Dies kann zum Beispiel folgendermaßen ausschauen:
Eigene Rituale schaffen: Ein Spaziergang, eine Tasse Tee, ein Schaumbad, ein schönes Buch, das Lieblingsessen, Musik oder ein Filmabend können Halt und Struktur geben. Weihnachten muss nicht groß oder pompös sein – man darf es auch ganz nach den eigenen Bedürfnissen und Möglichkeiten gestalten.
Selbstfürsorge: Was muss nicht sein? Was möchte ich und was eigentlich nicht? Für wen oder was mache ich das? Was darf sein? Sich diese Fragen zu stellen kann helfen, wertvolle Pausen einzuplanen, zu entschleunigen oder Grenzen setzen.
Kontakt suchen: Ein Anruf, eine Nachricht oder ein Treffen kann entlasten – auch jenseits der „klassischen“ Familie.
Sinn erleben: Ehrenamtliches Engagement oder Hilfe für andere kann verbinden und stärken.
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Wenn es zu viel wird: Hilfe ist da
Sie müssen mit belastenden Gefühlen nicht allein bleiben. Professionelle Unterstützung ist auch während der Feiertage erreichbar – anonym, kostenlos und niederschwellig.
Telefonseelsorge: Tel.: 142, auch per Chat oder Mail möglich
Rat auf Draht: Tel.: 147 (für Kinder, Jugendliche und Eltern, rund um die Uhr)
Psychiatrisches Krisentelefon „PsyNot“: Tel.: 0800 500 154
Frauenhelpline:Â Tel.: 0800 222Â 555
Psychiatrische Ambulanz:Â Tel:: +43 (316) 2191-3114
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Manchmal reicht ein erster Schritt: ein Gespräch, ein offenes Wort oder die Entscheidung, Hilfe anzunehmen. Die Weihnachtszeit muss nicht perfekt sein – aber sie darf menschlich und gut genug sein.

Theresa Spörk MSc.
Psychotherapeutin i.A.u.S., Psychologin
